In Deutschland haben wir schon fünf Produktionsunternehmen und 700 Mitarbeiter

In Deutschland haben wir schon fünf Produktionsunternehmen und 700 Mitarbeiter
In Deutschland haben wir schon fünf Produktionsunternehmen und 700 Mitarbeiter
  30.03.2018  |  08:42
Čas branja: 8 min
interview: Radovan Bolko, Vorstandsvorsitzender des Konzerns Kolektor

Kolektor, eine der größten und erfolgreichsten slowenischen Unternehmensgruppen, ist auf ausländischen Märkten in der Autoindustrie, Energetik und in der Bauwirtschaft tätig. In Deutschland erwirtschaftet die Gruppe über 140 Millionen Euro an Erlösen und als Konzern kauft sie dort für über 110 Millionen Euro Waren ein. Kolektor hat in Deutschland fünf Produktionsunternehmen, Kolektor Magnet Technology, Kolektor Kautt & Bux und Kolektor Missel Insulations und im vergangenem Jahr hat der Konzern in Deutschland zwei Unternehmen übernommen, die sich jetzt Kolektor Conttek und Kolektor Siegert nennen. Mit Radovan Bolko, Vorstandsvorsitzender des Konzerns Kolektor, haben wir über das Geschäft und die Pläne von Kolektor in Deutschland sowie die wachsenden Herausforderungen durch die veränderte Automobilbranche gesprochen.

Wie liefen vergangenes Jahr die Geschäfte?Das vergangene Jahr war für uns sehr erfolgreich. Auf der Konzernebene haben wir 715 Millionen Euro Einnahmen erwirtschaftet und 75 Millionen Euro EBIT. Wir beschäftigen 4.950 Mitarbeiter. Dieses Jahr planen wir 785 Millionen Euro Einnahmen, im Hinblick auf die Einnahmen auch einen ähnlichen EBIT wie vergangenes Jahr, und die Mitarbeiterzahl wird auf 5.400 steigen.

Wo sehen Sie die Möglichkeit für das Wachstum in diesem Jahr?Das größte Wachstum ist in der Division Komponenten und Systeme für die Mobilität vorgesehen. Hier werden wir wachsen, weil die Autoindustrie selbst den Verkauf steigern wird. Zusätzlich haben wir in diesem Bereich

neue Projekte hinzubekommen und wir profitieren von synergistischen Effekte, die Folge der Übernahmen aus dem vergangenen Jahr sind.

Letztes Jahr haben Sie in Deutschland noch zwei Unternehmen übernommen, Kollektor Conttek und Kolektor Siegert, was versprechen sie sich von diesen Akquisitionen?Durch den Erwerb haben wir die Palette der Technologien und Produkte erweitert, die wir den Schlüsselkunden anbieten können und zudem wollen wir so auch neue Kunden gewinnen. Kolektor Siegert ist Hersteller elektronischer Module und von Sensorik beziehungsweise dessen, was in den mit der Konnektivität der Fahrzeuge und dem autonomen Fahren verbundenen Projekten immer bedeutender wird. Und Kolektor Conttek stellt Hybridprodukte her, die Bestandteil der Elektrifizierung der Fahrzeuge sind, unabhängig davon, ob das Fahrzeug durch einen klassischen Benzin- oder Dieselmotor mit Innenverbrennung betrieben wird oder es um einen Hybridantrieb geht oder nur um einen elektrisch angetriebenen Motor. Wir haben uns für die Übernahmen entschieden, weil sich die Autoindustrie verändert und wir Teil dieser Veränderungen sein möchten. Mit ihnen erweitern wir auch unsere bisherige erfolgreiche Arbeit mit deutschen Unternehmen. Zum Erfolg verhilft auch, dass wir ähnliche Kulturen haben und wir auf gute und innovative technische Lösungen sowie Unterstützung für die Käufer in ihren Entwicklungsprozessen konzentriert sind.

Sind Sie mit dem Kauf zufrieden?Jede Übernahme ist sehr anspruchsvoll, jedoch hatten wir bis jetzt mit den Übernahmen in Deutschland in der Regel gute Erfahrungen und diese zeigen sich auch in den zwei neuen Erwerbungen.

Kolektor hat in Deutschland fünf Produktionsunternehmen, wie akzeptiert man Sie in diesen Unternehmen, weil Sie strategischer Eigentümer sind und kein Finanzfonds?Die Tatsache, dass wir strategischer Eigentümer sind, wird in Deutschland sehr gut aufgenommen, denn wir haben langfristige Ziele und eine langfristige Vision der Unternehmensentwicklung. In unserem neuen Geschäftsmodell haben die deutschen Unternehmen in der Regel die Rolle eines Kompetenzzentrums. So dass sie in der Zusammenarbeit mit den Gesellschaften, die wir in anderen Ländern haben, eine bedeutende Rolle beim Erwerb, der Entwicklung und Realisierung von Projekten einnehmen. In Deutschland haben wir 700 Mitarbeiter und das sind vor allem technische Fachkräfte.

Wie bewerten Sie die Vereinbarung zwischen der größten deutschen Gewerkschaft IG Metall und dem Arbeitgeberverband Südwestmetall über Gehaltserhöhung und flexiblere Arbeitszeiten?Es ist gut, dass es zu dieser Vereinbarung gekommen ist. Auf der anderen Seite können wir nicht die Tatsache ignorieren, dass Deutschland und unsere dortigen Unternehmen dadurch teilweise an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Jetzt, wo wir in der Zeit positiver Wirtschaftsbewegungen sind, ist das zwar kein Problem, aber im Fall eines reduzierten Weltwirtschaftswachstums könnten wegen der Gehaltserhöhungen in Deutschland vor allem die einfachen Arbeitsplätze in der Industrie gefährdet sein.

Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Unternehmen wettbewerbsfähig sind, und zwar die aus Deutschland, aber auch diejenigen aus Slowenien, Italien, Tschechien, Bosnien, Serbien, China, Südkorea und Mexiko?Unsere Schlüsselwerkzeuge sind die Automatisierung und Rationalisierung der Prozesse beziehungsweise das Modell der schlanken Produktion, womit wir das Kostenniveau gewährleisten müssen, das gegenüber den anderen Anbietern in dieser Industrie konkurrenzfähig ist. Dazu gewährleisten wir die Wettbewerbsfähigkeit dadurch, dass wir uns an zusätzliche Forderungen der Käufer anpassen, wie die nach lokalen Lieferungen. Hier arbeiten wir nach dem Prinzip der lokalen Herstellung für den lokalen Käufer beziehungsweise für seinen lokalen Betrieb. Auch das Portfolio der Produkte, die wir in einzelnen Betrieben herstellen, passen wir den Arbeitskosten in diesem Land an. Und dort, wo der Preis für die Arbeit höher ist, beziehungsweise zu hoch für die Produkte, die wir dort herstellen, lösen wir dies durch die Verlagerung der Produktion an einen billigeren Standort. Ansonsten haben sich aber die Umstände in der vergangenen Zeit so geändert, dass die Automatisierung eigentlich überall durchgeführt werden muss, somit auch in Bosnien und in China.

Was motiviert sie zur Zusammenarbeit mit deutschen bekannten Industrieunternehmen, wie Bosch, Continental, Brose, Mahle...?Wir haben hervorragende Kompetenzen und Kenntnisse vor allem auf dem Gebiet der technologischen Entwicklung und Herstellungsprozesse entwickelt, denen wir in der vergangenen Zeit Kenntnisse aus dem Gebiet der Produktentwicklung hinzufügen konnten. Der Konzern Kolektor beherrscht heute eine sehr breite Palette von Technologien für die Herstellung komplexer Produkte. Darüber hinaus können wir mit unserer globalen Präsenz Produkte an den gewünschten Standort liefern. Wir sind eines der seltenen Unternehmen in Europa, dass fähig ist, den Kunden, die zu uns mit einer Idee beziehungsweise einem Plan mit Wünschen kommen, eine Lösung anzubieten beziehungsweise ein Produkt, in dem so viele verschiedene Technologien verbunden sind. Wir beherrschen Technologien des Spritzverfahrens von anspruchsvollen Polymeren, Metallverformung, Oberflächenschutz, Verbindungen sowie Technologien aus dem Gebiet der Sensorik und Herstellung elektronischer Komponenten und Modelle, anspruchsvoller Montagetechnologie.

Unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit den deutschen Kunden von denen aus anderen Ländern?Die Spielregeln in der Autoindustrie sind global. Größere Unterschiede gibt es nicht. Es ist aber richtig, dass wir mit den deutschen Käufern wegen der Unternehmen, die wir in Deutschland haben, unkomplizierter und besser zusammenarbeiten. Die deutschen Unternehmen arbeiten einfacher miteinander als mit jemandem aus dem Ausland. Und das ist auch einer der Gründe, wieso wir deutsche Unternehmen gekauft haben.

Werden Sie in Deutschland noch weitere Firmen übernehmen?Dieses Jahr widmen wir vor allem der Integration neuer Unternehmen in unser System. Ansonsten werden wir mit den Übernahmen fortfahren und wenn sich die Gelegenheit ergibt, auch in Deutschland.

Die Autoindustrie verändert sich stark. Wie passen Sie sich diesen Veränderungen an?Der Konzern Kolektor ist in der Lieferkette der Autoindustrie meistens in der Rolle des Lieferanten zweiten Grades (Tier 2) und hier sind die Veränderungen nicht so schnell. Es ist aber wahr, dass wir mit den Käufern schon in der Phase der Vorentwicklungs- beziehungsweise Entwicklungsprojekte zusammenarbeiten und deswegen auch wir alle modernen Technologien entwickeln. Deswegen haben wir auch Unternehmen übernommen, die Technologien beherrschen, die beim autonomen Fahren nötig sind und auch solche, die für die Elektrifizierung der Antriebe mit Innenverbrennung nötig sind, und das gilt für Benzin- als auch für Dieselmotoren. Man darf nicht vergessen, dass sich auch Motoren mit Innenverbrennung noch entwickeln werden und mit der Elektrifizierung der Antriebe wird gewährleistet, dass sie effizienter und sauberer sein werden. Wir stellen unter anderem auch Subsysteme her, die bei der Reinigung von Abgasen bei Diesel- und Benzinmotoren mitwirken werden.

Die Industrie verändert sich in Richtung der Industrie 4.0. Wie weit sind Sie mit der Integration in die Industrie 4.0?Die Industrie verändert sich ständig. Die Digitalisierung, IOT oder die Industrie 4.0 ist ein Prozess, der ständig abläuft. Es ist aber wahr, dass sich das Bewusstsein über das Bedürfnis nach schnelleren Veränderungen immer mehr verbreitet und dass hierbei immer mehr Mittel investiert werden. Diesen Trends folgt auch der Konzern Kolektor, wo wir schon eine neue Division entwickeln, die Lösungen aus dem Gebiet der Industrie 4.0 anbieten wird.

Die Bevölkerung Sloweniens wird wie überall in Europa älter. Wie und woher bekommen Sie Mitarbeiter?In Slowenien ist es bemerkbar, dass Kolektor als gute Marke bekannt ist und so Personal anlockt. In Deutschland ist es aber am schwersten. Das liegt besonders an der geringen Zahl der verfügbaren Arbeitnehmer und der starken Konkurrenz durch andere Unternehmen. Bis jetzt zeigt sich als die beste Lösung, die Kapazitäten auf das Gebiet der Länder Ex-Jugoslawiens auszuweiten, vor allem nach Serbien und Bosnien, wo wir schon als gute Arbeitgeber bekannt sind und gutes Personal gewinnen können.

Wie sorgen Sie dafür, dass Sie, obwohl Sie ein Unternehmen mit eingespielten Geschäftsmodellen sind, agil bleiben und auf Veränderungen schnell genug reagieren?Das Geschäftsmodell haben wir so geändert, dass die Programme einen großen Unabhängigkeitsgrad haben und damit auch einen großen Agilitätsgrad. Für unser Projekt der Industrie 4.0 erstellen wir auch eine Start-Up-Umgebung mit vollkommen anderen, agilen und flexiblen Tätigkeitsmodellen. So gibt es bei uns Coworking, wir gründen Mikrounternehmen, zudem erwerben wir Minderheitsanteile an jungen Unternehmen. Ihre Gesellschaft Kolektor Etra ist auf dem Markt der Transformatoren sehr erfolgreich. Vor zwei Jahren hat sie zum Beispiel die Stadtwerke München überzeugen können, welche jetzt deren Transformator mit der Spannung von 400/110/30 Kilovolt und der Kraft von 400 Megavoltampere verwendet. Welche Chancen sehen Sie dieses Jahr auf dem deutschen Markt? Kolektor Etra orientiert sich auf den Hochspannungsteil des Transformatorenmarktes und erhöht erfolgreich seinen Marktanteil. Das gelingt Etra wegen der hochwertigen Produkte, fortgeschrittener Entwicklungslösungen und der Anpassung an die Forderungen der Käufer. Dabei ist für die Marktposition von Etra die Strategie des Konzerns Kolektor, der Investitionen in die Entwicklung unterstützt und eine stabile auf langfristige Entwicklung ausgerichtete Eigentümerstruktur hat, von großer Bedeutung.

Napišite svoj komentar

Da boste lahko napisali komentar, se morate prijaviti.
Slowenien lädt ein
Deutschland
Deutschland Intelligente Verkehrslösungen von LIT-Transit auch in Berlin

Der technologische Durchbruch slowenischer Unternehmen in der Welt

Slowenien lädt ein
Deutschland
Deutschland Die deutschen Kunden erobert man mit Panorama­dächern

Matjaž Grm, geschäftsführender Verkaufs- und Vertriebsdirektor bei Adria Mobil

Slowenien lädt ein
Deutschland
Deutschland Kühnen Leuten steht im Geschäft nichts im Wege

In immer mehr slowenischen Unternehmen ist die Erkenntnis gereift, dass nur umweltverträgliche, energieeffiziente und nachhaltige...

OGLAS
Slowenien lädt ein
Deutschland
Slowenien lädt ein
Deutschland
Deutschland Besuchen Sie uns und erleben Sie Ihre Wiedergeburt in der ursprünglichen Natur

Das Boutique-Hotel Vila Planinka in dem idyllischen Ort Jezersko

Slowenien lädt ein
Deutschland
Deutschland Deutschland die Nummer Eins im slowenischen Außenhandel

Rekord in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Slowenien und Deutschland