Wie Slowenien zum Wirtschaftsstar in der EU wurde

Wie Slowenien zum Wirtschaftsstar in der EU wurde
Wie Slowenien zum Wirtschaftsstar in der EU wurde
  29.03.2018  |  10:44
Čas branja: 8 min
Die slowenische Wirtschaft blüht auf und bricht Rekorde

Die slowenische Wirtschaft bricht Rekorde: Ein fast fünfprozentiges Wachstum des BIP hat Slowenien vergangenes Jahr zu einem der Länder werden lassen, die zweimal schneller als der EU-Durchschnitt gewachsen sind. Am meisten haben dazu erfolgreiche Exportunternehmen beigetragen, die ins Ausland gut 28 Milliarden Euro an Warenwert verkauft haben.

Der slowenische Export wird auch dieses Jahr stark wachsen und das Wirtschaftswachstum soll erneut die vier Prozent überschreiten. Unter den Mitgliedern des Euro-Raums werden nur Irland und Malta ein höheres Wachstum haben und in der gesamten EU Rumänien und Polen.

Slowenien exportiert nach Deutschland mehr als Thailand und Israel

Slowenien als kleine Volkswirtschaft war schon immer und wird auch immer schicksalhaft mit dem Export verbunden sein, betont Boštjan Vasle, Direktor des slowenischen Amtes für makroökonomische Analysen und Entwicklung (Umar). „ Die Länder, mit denen wir am meisten Handel treiben - und unter ihnen steht Deutschland an erster Stelle - haben in den vergangenen Quartalen ein extrem hohes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen und das ist auch für slowenische Unternehmen ein bedeutender Impuls. Slowenien hat ungefähr so viel Einwohner wie die Vorstadt einer größeren europäischen Stadt. Die Unternehmen kommen also schnell an die Grenzen des Markts und die Präsenz auf ausländischen Märkten ist für sie von lebenswichtiger Bedeutung“ sagt Vasle.

Im Vergleich zum Jahr 2016 haben slowenische Unternehmen vergangenes Jahr um gleich 13 Prozent mehr exportiert. Ebenso wird der Exportanteil am Sozialprodukt, das vergangenes Jahr ungefähr 40 Milliarden Euro betrug, größer. Der slowenische Export ist traditionell stark auf die Märkte der EU-Mitglieder konzentriert und gebunden. Dorthin hat Slowenien vergangenes Jahr fast 77 Prozent bzw. für gut 21 Milliarden Euro Waren exportiert. Das meiste ging nach Deutschland (20,4 Prozent des gesamten Exports), dann folgten Italien (11,5 Prozent), Kroatien (7,6 Prozent), Österreich (7,6 Prozent) und Frankreich (5,7 Prozent). Bemerkenswert in der Handelsbeziehung mit Deutschland ist, dass das kleine Slowenien, das als Exportpartner an 39. Stelle steht, mehr in die größte europäische Wirtschaft exportiert als z. B. Thailand oder Israel. Slowenien ist auch eines der wenigen Länder, das mit Deutschland einen Außenhandelsüberschuss hat und der Warenaustausch zwischen den Ländern hat vergangenes Jahr zum ersten Mal die magische Grenze von zehn Milliarden Euro durchbrochen.

Im Unternehmensbereich dominieren kleine und mittelgroße Unternehmen

Die slowenische Wirtschaft könnte ein solches Wachstum natürlich nicht erreichen, wenn sich die Firmen nicht dem globalen Wettbewerb erfolgreich angepasst hätten. Das gilt nicht nur für große slowenische Exporteure, denn in der Unternehmensszene setzt sich in den vergangenen Jahren immer mehr auch die Generation der Unternehmer durch, die in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Arbeit nach Deutschland gegangen ist. Sie hat dort Geschäftsbeziehungen geknüpft, diese nach der Unabhängigkeit Sloweniens eingelöst und genutzt und so Zuhause mit der Geschäftsgründung begonnen. Nach der Krise sind kleinere Gewerbeunternehmen schnell auf die Konjunkturwelle in Deutschland aufgesprungen und ein bedeutender Lieferant für Unternehmen aus der Bundesrepublik geworden, betont Wolfgang Zeike, der Präsident der internationalen Sektion des slowenischen Managerverbands.

„Viele erfolgreiche mittelgroße slowenische Unternehmen haben ihr Geschäft gerade aus früheren Bekanntschaften aufgebaut, die in Deutschland entstanden sind. Das sind Familienunternehmen, die heute mehrere hundert Mitarbeiter beschäftigen, eine moderne Ausrüstung und Wissen haben, international wettbewerbsfähig sind und mit großen deutschen Partnern Geschäfte machen, meistens in der Umgebung von Stuttgart, die unlösbar mit der Autoindustrie verbunden ist“, betont Zeike. Der Deutsche, der im Jahr 2004 zum ersten Mal nach Slowenien gekommen ist und das Land zehn Jahre später zu seinem Zuhause erklärte, arbeitet im Familienunternehmen Rodex in der Industriestadt Kranj, auf halbem Wege zwischen der slowenischen Hauptstadt Ljubljana und der österreichischen Grenze.

Der Raum für den Start von Familienunternehmen, die auch zu einem Inkubator neuer Ideen und Geschäftsmodelle werden, begann sich in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre zu öffnen, als wegen des Verlustes des jugoslawischen Markts die wirtschaftlichen Paradesysteme in Staatseigentum zu zerfallen begannen. Zusätzlich hat die Krise aus dem Jahr 2008 die slowenische Industrielandschaft verändert und gereinigt. „In der Krise sind einige schlechte Unternehmen zugrunde gegangen und die, die übrig geblieben sind, haben viel an der Rationalisierung ihrer Geschäftstätigkeit verbessert. Sie haben die Kosten reduziert. Heute zeigt sich das an ihrer Wettbewerbsfähigkeit und Fähigkeit, sich auf ausländischen Märkten im größeren Maße durchzusetzen als Unternehmen aus Ländern, mit denen wir in der Region von Südost- und Zentraleuropa im Wettbewerb stehen“, betont der Leiter des führenden slowenischen Wirtschaftsinstituts.

Einige Branchen, wie zum Beispiel die Textil- und Lederbranche, sind verschwunden, und andere, wie die Holzwirtschaft, sind geschrumpft. Auf den Ruinen der Textilbranche wuchs auch das Unternehmen Boxmark, das heute der führende europäische Hersteller von Sitzbezügen für Luxusautos ist, sich aber auch immer mehr als Lieferant für die Flugzeugindustrie positioniert und dieses Jahr in den Markt der Luxusfähren in Cancún eintritt.

Das Land, in dem europaweit am wenigsten gestreikt wird

Die deutschen Unternehmen sind aber nicht nur bedeutende Partner, sondern auch Investoren in slowenische Unternehmen. Die Konzerne BSH, Mahle, Hella, Novem, Knauf Insulation, um nur einige zu nennen, sind heute ein bedeutender Arbeitgeber der slowenischen Industrie und das deutsche Kapital hat sein Geschäftsinteresse auch im Rahmen der Privatisierung slowenischer Unternehmen verfolgt, die von der Regierung angestoßen wurde. Unter ihnen ist auch der Betreiber des Frankfurter Flughafens Fraport, der im Jahr 2014 den slowenischen Flughafen Brnik übernommen hat. Auch die größte Fluggesellschaft Sloweniens, Adria Airways, wurde im Januar 2016 zu 91,6 Prozent von der deutschen 4K Invest AG übernommen.“

Nach der Bewertung der Slowenisch-Deutschen Wirtschaftskammer haben deutsche Unternehmen bis jetzt in Slowenien ungefähr 2,8 Millionen Euro investiert. „Während die meisten Industrieunternehmen in Kroatien und Serbien am Anfang der neunziger Jahre zugrunde gegangen sind, haben die Slowenen immer, auch in schlechten Zeiten, für ihre Unternehmen gesorgt und sie entwickelt. Ebenso kümmerten sie sich um Entwicklungs- und Infrastrukturprojekte, was sich heute auszahlt. Die Unternehmen hatten schon seit jeher gutes Wissen und qualifiziertes Personal, und genau das hat den deutschen Unternehmen schon vor Jahrzehnten eine Verlagerung der Produktion nach Slowenien ermöglicht. Und obwohl sich die Slowenen gerne über ihre Politiker beklagen, haben sich gerade die ersten Regierungen nach der Unabhängigkeit Sloweniens die Vision als Ziel gesetzt, die Umgebung und einen Rahmen für eine stabile ökonomische Entwicklung und den späteren Eintritt Sloweniens in die Europäische Union zu schaffen. In Wahrheit gab es für Slowenien nie eine andere Alternative als Teil der EU und der Eurozone zu sein und genau das hat der Entwicklung Sloweniens die Türen breit geöffnet. In den slowenischen Unternehmen sprechen heute alle über 4.0-Industrie. Die Geschäftskommunikation mit der Welt über Videokonferenzen ist beispielsweise Alltag in slowenischen Unternehmen. Deutschland hat für den Sprung aus der Massenproduktion in die 4.0-Industrie 20 Jahre gebraucht, Slowenien schaffte das in zehn Jahren“, betont Zeike.

Hochqualifizierte und mehrsprachige Arbeitskräfte sowie hohe Produktivität sind auch ansonsten die häufigsten Motive, die ausländische Investoren zu den Vorteilen Sloweniens bei der Anwerbung von Auslandskapital zählen. Ihr Slowenen seid auch sehr loyal und arbeitseifrig, fügt der Gesprächspartner noch hinzu. „Bei den Slowenen steht die Arbeit immer an erster Stelle. Das ähnelt sehr der deutschen Mentalität und ich scherze oft darüber, dass ihr Slowenen viel deutscher als wir Deutsche sind. Zudem ist Slowenien der Staat mit der niedrigsten Streikrate in Europa.“

Die Schlüsselherausforderung – mit den Großen im Spiel zu bleiben

Zu den bedeutendsten Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass die slowenische Wirtschaft heute leichter atmet, zählt Vasle auch die Sanierung des slowenischen Bankensystems und Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt. In den Jahren 2013 und 2014 hat Slowenien durch die Bankensanierung seinen Finanzsektor um gleich 5,5 Milliarden Euro schlechter Darlehen entlastet. „Im Unterschied zu einigen Ländern, auch in unserer nahe gelegenen Nachbarschaft, wo die Probleme in den Banken noch immer auf der Tagesordnung stehen, haben wir in Slowenien diese Probleme gelöst. Die Sanierung des Bankensystems war zwar sehr teuer, aber wie es aussieht, auch sehr erfolgreich.“ In den vergangenen Jahren sind in Slowenien auch zahlreiche Agenturen für die Vermittlung von Arbeitskräften aktiv geworden. „Das trägt auch bestimmt zur größeren Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt bei, denn die Unternehmen entscheiden sich heute eher, Mitarbeiter einzustellen“, betont Vasle.

In der Zeit der vierten Industrierevolution werden die Karten aufs Neue verteilt und obwohl Slowenien nie ein Silicon Valley wird, haben slowenische Unternehmen viele Möglichkeiten, sich als Entwicklungspartner, der Lösungen mit hohem Mehrwert in verschiedenen Marktnischen anbietet, durchzusetzen. „In Slowenien werden wahrscheinlich keine großen Ideen geboren werden, denn das Investitionspotential wird nie so stark sein wie in Amerika oder Deutschland. Aber die Position Sloweniens wird, wenn das Humankapital, das Wissen und das stabile wirtschaftliche Umfeld richtig eingesetzt werden, immer nur einen Schritt von den großen Ideen entfernt sein“, fügt Zeike noch hinzu.

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