„Herstellern von Reinräumen gehen die Aufträge nicht aus“

„Herstellern von Reinräumen gehen die Aufträge nicht aus“
„Herstellern von Reinräumen gehen die Aufträge nicht aus“
  03.10.2018  |  10:50
Čas branja: 7 min
Interview: Jernej Zupančič, Geschäftsführer des auf die Projektierung und den Bau von Reinräumen spezialisierten Unternehmens Cleangrad

Unter den Exportunternehmen, die sich immer mehr auf dem österreichischen Markt etablieren, ist auch das Unternehmen Cleangrad, ein Spezialist für die Projektierung und den Bau von Reinräumen. Dieses slowenische Unternehmen wuchs in den vergangenen Jahren stark, auch dank dem immer stärkeren Trend zur Digitalisierung und Automatisierung, mit dem teure und empfindliche Roboter sowie andere anspruchsvolle Technologie in die Betriebshallen kommen, in denen es immer weniger Produktionsarbeiter gibt.

Unter den Kunden von Cleangrad findet man etablierte internationale pharmazeutische Firmen wie GSK, Schering, Johnson & Johnson, Novartis, Merck Sharp & Dohme und andere. Für den größten Erfolg hält man aber die Tatsache, dass unter den Kunden auch der amerikanische Pharmazieriese Pfizer ist, der das slowenische Unternehmen als seinen einzigen europäischen Lieferanten von Reinräumen ausgewählt hat. Darüber, warum die Nachfrage nach Reinräumen wächst, nach welchen Lösungen die Kunden fragen und in welchen Branchen das Unternehmen am schnellsten wächst, haben wir mit dem Vorstandsvorsitzenden von Cleangrad, Jernej Zupančič, gesprochen. Sitz von Cleangrad ist in Ljutomer, in der Nähe der slowenisch-österreichischen Grenze.

Cleangrad fertigt zertifizierte Reinräume für die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie sowie für Krankenhäuser. Wie wichtig sind Reinräume heute in der Industrie und wächst deren Verwendung?

Auf jeden Fall. Auch andere Industriebranchen fragen immer mehr nach Reinräumen, denn die Technologie wird immer komplexer, in der Produktion arbeiten immer weniger Arbeiter und dort gibt es immer mehr empfindliche und teure Roboter und Maschinen. Viele Möglichkeiten für unser Wachstum sehen wir auch in Krankenhäusern, zum Beispiel in OP-Sälen. Die Forschungen zeigen, dass 2,6 Millionen Menschen in Europa eine Infektion in Krankenhäusern erleiden, wobei 91.000 Menschen daran sterben. Deshalb verzichten immer mehr Krankenhäuser in Österreich, Belgien und in Holland auf Gipswände und entscheiden sich lieber für neue und waschbare Materialien. Auch die Sicherheitsstandards steigen. Seit sieben Jahren arbeiten wir mit dem Lieferanten für Desinfektionsmittel Bioquell zusammen, der die Reinigung der Oberflächen von unseren Paneelelementen testet. Als eines der wenigen Unternehmen in unserer Branche verfügen wir auch über das internationale Zertifikat SCC, was bedeutet, dass wir die Anforderungen bezüglich Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz erfüllen, sowohl bei der Montage von Reinräumen als auch in der strategischen Planung sowie Gestaltung unserer Produkte und Aktivitäten.

In den vergangenen Jahren liegen auch Nahrungsergänzungsmittel immer mehr im Trend. Über Nacht wurden in Europa einige neue Fabriken gebaut, und auch wir haben einige ausgerüstet. Und was noch interessant ist – im vergangenen Jahr ist auch die Produktion von Produkten aus Cannabis sehr gewachsen, auch hier gibt es immer mehr Aufträge für die Hersteller von Reinräumen. Immer mehr fragen auch Unternehmen aus der Mikroelektronikbranche und der Glasfaser- und Laserindustrie danach.

Alleine die Investitionen der europäischen Pharmaindustrie in Forschung und Entwicklung betragen mehrere zehn Milliarden Euro. Wie zeigt sich dies in Ihrer Geschäftstätigkeit im Hinblick darauf, dass Sie mit der Pharmaindustrie mehr als 90 Prozent Ihres Umsatzes erzielen?

Sehr. Unsere Erlöse sind voriges Jahr sogar um 30 Prozent gestiegen und auch dieses Jahr sieht es für uns gut aus. Große Bedeutung hatte für uns das Geschäft mit dem amerikanischen pharmazeutischen Unternehmen Merck Sharp & Dohme (MSD). Wir haben mit MSD dieses Jahr einen Vertrag im Wert von 4,1 Millionen Euro unterzeichnet, was der bisher größte Auftrag von Cleangrad ist. Am meisten freuen wir uns aber darüber, dass wir von MSD als bevorzugter Lieferant in Europa ausgewählt wurden. Unser Wunsch ist, nicht nur der Lieferant von Reinräumen zu sein, sondern mit den Auftraggebern schon in der Phase der Planung und des Entwurfs des Projekts zusammenzuarbeiten und eine ganzheitliche Lösung anzubieten. Unsere Ingenieure leiten das ganze Projekt, von Skizze und Entwurf an. Wir waren auch einer der ersten, die beim Skizzieren von Reinräumen Computerprogramme für 3D-Zeichnen verwendet haben, was dem Kunden einen virtuellen „Spaziergang“ durch das Projekt schon in der Vorbereitungsphase ermöglicht. Das ist sicher ein wichtiger Vorteil, denn der Auftraggeber kann schon bei der Vorbereitung sehen, wie das ganze Projekt und die Ausrüstung der Reinräume aussehen werden, was gleichzeitig auch das Risiko verringert, dass es bei der Produktion selbst und beim späterem Aufbau und Montage des Reinraums zu einem Stillstand kommt.

Wir entwickeln für den amerikanischen multinationalen Konzern Pfizer verschiedene Produkte, für die uns Pfizer auch finanzielle Hilfe für die Entwicklung angeboten hat, jedoch haben wir ablehnt, weil wir dann die Produkte nicht unter eigenem Namen vermarkten dürften. Wir bemerken auch, dass immer mehr Pharmaunternehmen ihre Betriebe in China und in Indien schließen und zurück nach Europa kommen. So haben wir auch Aufträge von zwei Pharmaunternehmen aus Indien und Japan bekommen, die mehrere Gesellschaften in Holland gekauft haben.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Riesenunternehmen Pfizer, für das Sie der einzige Lieferant von Reinräumen in Europa sind und das Cleangrad die Tür zu vielen anderen großen Pharmaunternehmen öffnete?

Im Jahr 2005 haben wir in Belgien ein Projekt von Reinräumen für das Unternehmen Purna Pharmaceutical durchgeführt. Gegenüber dieser Firma hat auch Pfizer seine Räumlichkeiten und ich habe damals unseren Vertreter gebeten, mit Pfizer einen Termin zu vereinbaren. Er hat mit geantwortet, dass es nicht so einfach geht, denn Pfizer ist derjenige, der dich einladen muss. Aber wir haben am Ende einen Termin bekommen, der Vertreter von Pfizer kam mit einer Stoppuhr und ich hatte insgesamt zehn Minuten Zeit unsere Firma vorzustellen.

Auf einer der ersten Sitzungen diskutierten wir mit den Vertretern von Pfizer ohne Wasser und ohne Kaffee von neun Uhr am Morgen bis fünf Uhr am Nachmittag; erst nach meiner positiven Antwort auf alle 250 Fragen und nach der Vorlage von entsprechenden Beweisen und Belegen haben sie gesagt, gut, dann schauen wir uns an, was ihr macht. Heute sind sieben von den größten pharmazeutischen Gesellschaften unsere Kunden, zum Beispiel GSK, Shering, Johnson & Johnson, Novartis, MSD und andere, und mit einigen arbeiten wir schon seit Jahren zusammen.

Welche Lösungen suchen die Unternehmen im Bereich der Reinräume?

Für Alcon, die Tochterfirma von Novartis, haben wir eine spezielle Lösung entwickelt, bei der wir in die Wand eines Reinraums ein 60 cm starkes Brandschutzfenster eingebaut haben. Wenn ich mich nicht irre, bietet ein solches Produkt in Europa nur noch ein weiterer Anbieter von Reinräumen an. Es geht um eine wichtige Neuerung in unserem Angebot, denn wir können mit einem Brandschutzfenster die Bedürfnisse bei der Validation und der Qualifikation von Reinräumen sowie bei der Erlangung der Betriebsgenehmigung aus Brandschutzsicht erfüllen, auf der anderen Seite bringt aber die Innovation bessere Bedingungen des Gesundheitsschutzes und der Sicherheit am Arbeitsplatz sowie des Brandschutzes der Arbeitnehmer in der Pharmaindustrie. Für das Brandschutzfenster haben wir auch ein entsprechendes Zertifikat des Verbands für Bauwesen erworben.

Bei Cleangrad wird alles manuell gefertigt, es gibt keine automatisierte und robotisierte Produktion, dadurch sind wir flexibler und können gleichzeitig an mehreren Projekten arbeiten. Wir haben für das Brandschutzfenster, das von unseren Mitarbeitern entwickelt wurde, voriges Jahr eine Auszeichnung der slowenischen regionalen Wirtschaftskammer für eine der besten Innovationen gewonnen.

Voriges Jahr haben Sie mehr als 10 Millionen Euro Einnahmen erzielt, was mehr als 30 Prozent über dem Vorjahr lag. In welchem Bereich war das Wachstum am größten und wie sieht es im laufendem Jahr aus?

Schon seit Anfang an sind Belgien und Holland für uns die wichtigsten Märkte. In Belgien hatten wir voriges Jahr sogar einhundert verschiedene Projekte. Ein großes Einnahmenwachstum, sogar um 60 Prozent, haben wir im Vergleich zum Vorjahr auch in Österreich erzielt. Dort haben wir ein paar Partner mit denen wir die ganze Zeit zusammenarbeiten, zum Beispiel die Gesellschaften GE Healthcare und Octapharmo. Wir arbeiten aber auch mit Croma-Pharma, Sanochemia Pharmazeutica, Sandoz, Kwizda Pharma, Krankenhaus der Elisabethinen Linz und vielen anderen zusammen. Die Zusammenarbeit mit Octapharma öffnet uns auch die Tür nach Deutschland, wo wir einen wichtigen Auftrag von drei Millionen Euro bekommen haben, der sich gerade jetzt in der Abschlussphase befindet.

Holland ist sehr stark in der Pharmazie. Dort gibt es mehr als 400 Krankenhäuser und wir haben auch Kunden gewonnen, die ausschließlich mit uns arbeiten, unter anderem arbeiten wir auch mit Johnson&Johnson, Serum Institute of India (Bilthoven Biologicals, Netherlands), Pfizer und Novartis zusammen und freuen uns auch über den Auftrag von Zoetis, einst Veterinärabteilung von Pfizer, und ich könnte noch weitere aufzählen. Unser Wunsch ist, in Deutschland noch weiter zu wachsen, denn wir haben die erste Referenz erworben und bei dem Projekt vier deutsche Firmen hinter uns gelassen. Deutschland investiert viel in die Pharmazie, wir möchten aber auch in der Schweiz vermehrt arbeiten.

Seit wann sind Sie auf dem österreichischen Markt tätig und was ist notwendig, um hier auftreten zu können?

Die Tür zum österreichischen Markt haben wir aufgrund der Zusammenarbeit mit einem Hersteller von Zellenstrukturen aufgestoßen, damals unter dem Namen PAA Laboratories, heute GE Healthcare, und später mit dem Hersteller von Frauenkosmetik der höheren Preisklasse Croma-Pharma, bei dem wir die Produktion für Hyaluronsäure in Wien ausgerüstet haben. Wir haben auf dem österreichischen Markt sehr gute Erfahrungen, unsere Tochterfirma in Wien und die räumliche Nähe ermöglichen uns zudem schnell zu reagieren und kürzere Lieferzeiten zu gewährleisten. Zuerst haben wir in Österreich mit kleineren Projekten angefangen, heute arbeiten wir aber auch an einigen größeren.

Wie wichtig ist der österreichische Markt für Cleangrad?

Wir haben voriges Jahr in Österreich 15 Prozent unseres Umsatzes erzielt. Österreich ist nicht nur wegen der pharmazeutischen Unternehmen und des Wachstums der Investitionen interessant, sondern auch weil es zu einem Zielmarkt von großen multinationalen Konzernen wird, die ihr neues Domizil in Europa suchen. Unter anderen wählte auch das amerikanische Unternehmen MSD Österreich für seine europäische Investition aus.

Warum haben Sie eine Zweigniederlassung in Wien gegründet?

Das ist ein wichtiger Vorteil, denn das erleichtert unsere Geschäftstätigkeit mit unseren österreichischen Partnern und auch Banken. Wien ist von Ljutomer in nur 2,5 Stunden mit dem Auto erreichbar und somit für uns ein ausgezeichneter Standort. Wir öffnen dieses Jahr auch eine Filiale in Ungarn, geplant ist zudem eine weitere in Deutschland.

Wie sehen die Geschäftspläne für dieses Jahr aus?

Wir werden dieses Jahr voraussichtlich die gleichen Einnahmen erzielen wie im Vorjahr, welches das beste Jahr in unserer Geschichte

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