„Aluminium ist das Material der Zukunft und eine ausgezeichnete Chance für Talum“

„Aluminium ist das Material der Zukunft und eine ausgezeichnete Chance für Talum“
„Aluminium ist das Material der Zukunft und eine ausgezeichnete Chance für Talum“
  30.11.2018  |  08:20
Čas branja: 11 min
Interview: Marko Drobnič, Vorstandsvorsitzender von Talum

Die Produktion von Aluminium, die vor allem von der starken Autoindustrie angetrieben wird, wächst in den letzten Jahren global ungefähr 4 Prozent jährlich. Das zahlt sich auch für den slowenischen Hersteller von Aluminium und Aluminiumprodukten Talum aus, der sich anstelle eines Herstellers von primärem Aluminium immer mehr auf die Produktion von Produkten mit einem höheren Mehrwert fokussiert. Talum ist vor allem mit Ronden für die Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie erfolgreich, mit denen es sich in Europa schon einen Marktanteil von 20 % gesichert hat.

Talum zeichnet sich nicht nur durch eine langjährige Tradition, sondern auch durch Fachwissen im Bereich der Materialien aus. „Gerade das Wissen über die Materialien ermöglicht uns mit eigener Entwicklung die Charakteristiken und die Qualität von Materialien für unsere Kunden zu verbessern und dadurch die Produktionsverfahren bei den Kunden zu optimieren“, betont Marko Drobnič, der seit 2011 die Gruppe mit ca. 1.500 Mitarbeitern führt. Wir haben mit Herrn Drobnič darüber gesprochen, was die große Nachfrage nach Aluminium antreibt, wie die Zukunft aussieht und wie sich die Geschäfte auf dem deutschen Markt entwickeln.

Die Aluminiumindustrie wächst in den letzten Jahren global ca. 4 Prozent jährlich, und nach den Prognosen sollte dies mindestens noch bis zum Jahr 2020 anhalten. Talum ist voriges Jahr gewachsen, geht dieser Trend noch weiter und was treibt das Wachstum an?

Die Branche ist in den letzten zwei Jahren noch intensiver gewachsen, 5 bis 6 Prozent jährlich, und das ist ein Zeichen dafür, dass die Branche im Aufschwung ist und immer mehr Aluminium verbaut wird. Warum ist Aluminium so interessant? Erstens, weil es leicht ist, was für die Autohersteller außergewöhnlich wichtig ist, denn man sucht immer leichtere Materialien und das gilt insbesondere für die Hersteller von elektrischen Autos, die gerade damit konkurrieren, wer ein Auto mit einer leistungsfähigeren Batterie und mit einer größeren Reichweite bauen wird. Aluminium verfügt über außergewöhnliche Verformungscharakteristiken und ist 100 Prozent wiederverwertbar, was für die Erreichung der immer wichtigeren Nachhaltigkeitsrichtlinien sehr wichtig ist. Der Wunsch aller Autohersteller ist, Autos herzustellen, die weniger die Umwelt verunreinigen und umweltfreundlich sind, die erwähnten Charakteristiken von Aluminium kommen allerdings bei Verpackungen noch mehr zum Ausdruck, denn sie verringern die Transportkosten. Einst war die Grundfunktion der Verpackung die Lagerung, wobei sie heute eine Augenweide geworden ist und auch andere Funktionen wie zum Beispiel die Sicherheitsfunktion hat. Der Konsument möchte heute nicht nur Nagellack kaufen, sondern ein Produkt in einer attraktiven Verpackung, und eine solche Verpackung kann aus reinem Aluminium nicht hergestellt werden, sondern aus speziellen Legierungen, die verformt werden können und gleichzeitig aber fest genug sind, um unter Druck nicht zu platzen. Das Geschäft mit Ronden wächst bei Talum in den letzten Jahren sprunghaft, was für das Unternehmen sehr wichtig ist, denn Talum entwickelt sich aus einem traditionellen Hersteller von Aluminium und von einfachen Aluminiumprodukten zu einem Anbieter von Produkten mit einem höheren Mehrwert. In Kidričevo kennt man die Charakteristiken von Aluminium und seinen Legierungen sehr gut, denn diese werden hier auch hergestellt, und das ermöglicht es uns, unseren Kunden auch bei der Entwicklung von Produkten helfen zu können. Diesem Angebot widmet das Unternehmen in der letzten Zeit große Aufmerksamkeit und es wird viel investiert, nicht nur finanziell, sondern auch in die Entwicklung des Personals.

Talum hat sich dieses Jahr in Hannover auf der europäischen Messe für fortschrittliche Batterieherstellung und –technologie für elektrische Autos „The Battery Show Europe“ vorgestellt. Welche Lösungen hat Talum vorgestellt und welche Chancen bieten sich?

Wir haben in Hannover die Techniken und Entwicklungslösungen für Wärmetauscher vorgestellt, die in elektrischen Autos für die Kühlung der Batterien sorgen. Wärmetauscher sind Platten, die im Auto unter die Batterie montiert werden. Ihre Funktion ist die Kühlung von Batterien in den elektrischen Fahrzeugen, wodurch sich die Lebensdauer und der Betriebszyklus der Batterie verlängern. Auf E-Mobilität treffen wir auch bei Gussteilen. Mit einem unserer Kunden haben wir das Gehäuse für Plug-In-Batterien für Hybridfahrzeuge der höheren Preisklasse entwickelt. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Tür für Aluminium als Material der Zukunft mit elektrischen Autos und mit E-Mobilität breit öffnet, und ich bin auch der Meinung, dass die Lösungen für elektrische Autos und für die Batterien schneller entwickelt werden als die Infrastruktur, die dafür benötigt wird, dass wir im Laufe der Jahre immer mehr elektrische Fahrzeuge auf den Straßen sehen werden. Für Talum ist dieser Bereich sicher eine Chance, die nicht zu übersehen ist!

Übrigens, recyceln Ihrer Meinung nach die Konsumenten Aluminiumdosen bereits in ausreichendem Maße?

Meiner Generation ist das noch nicht genug im Bewusstsein, ich glaube aber daran, dass die neuen Generationen, die ich auch durch das Schulsystem verfolgen kann, damit bewusster umgehen werden. Unsere Kunden, vor allem aus der Bauindustrie sowie auch aus der Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie, verlangen den Einsatz eines bestimmten Anteils von recyceltem Aluminium, denn sie möchten umweltbewusst handeln und die nachhaltige Entwicklung fördern. Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Wirtschaften sind heute in Europa Realität. Beim Sammeln und Sortieren von Haushaltsabfällen wurden große Schritte nach vorne gemacht, denn die Wirtschaft ist sich bewusst, dass es sich nicht nur um Müll handelt, sondern um wertvolle Rohstoffe. Als Vorbild sollten vor allem Deutschland, Belgien und die Schweiz hervorgehoben werden, danach folgen die skandinavischen Länder und die Niederlande. Aus den Daten von Eurostat und aus anderen Daten über die Wiederverwertung von Getränkedosen in den oben angeführten Ländern ist ersichtlich, dass mehr als 90 Prozent der Dosen recycelt werden, wobei der europäische Durchschnitt hingegen 72 Prozent beträgt und in Slowenien die Quote nur bei 51 Prozent liegt. Eine Chance für das Wachstum in diesem Bereich existiert also auf jeden Fall.

Sie haben die Bauwirtschaft erwähnt – wie kann Aluminium heute oder morgen mit anderen Materialien in der Baubranche konkurrieren und welche Rolle spielt Talum dabei?

Bei Talum werden für die Bauindustrie die Stangen gefertigt, die von den Kunden dann bearbeitet und entweder für Bauteile oder Baukonstruktionen verwendet werden. Einer der interessantesten Bereiche sind nachhaltige Fassadenplatten aus Aluminium. Zusammen mit der technischen Universität aus Graz und dem slowenischen Unternehmen Tiko Pro entwickeln wir eine Fassadenplatte, die solar und thermisch aktiviert ist, und die zur Verringerung des Energiebedarfs des Gebäudes effizient die Sonnenenergie ausnutzt. Für dieses Projekt haben wir auch Mittel aus dem europäischen Programm der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Interreg erhalten.

Wie wichtig ist in der Geschäftstätigkeit von Talum der deutsche Markt?

Sehr wichtig. Deutschland ist unser größter Markt und wir sind mit ihm praktisch in allen Bereichen der Geschäftstätigkeit und der Planung verbunden. Wir merken schnell, wenn der deutsche Markt wächst und auch wenn er sich abkühlt. Wir kooperieren mit der Auto- und Elektroindustrie, mit dem Maschinenbau und mit der Industrie der Wärmetechnik, sehr stark sind wir aber auch in die Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie eingebunden.

Die Aluminiumindustrie wird in den letzten Jahren vor allem durch die Autoindustrie angetrieben, wie wichtig ist für Talum die Zusammenarbeit mit der Autoindustrie, auch mit der deutschen Autoindustrie?

Die deutsche Autoindustrie beliefern wir vor allem mit Gussteilen und Gusslegierungen für die Motorteile und dieses Segment ist für uns sehr wichtig. Schon heute wird viel Aluminium in Automobilen verbaut, es ist aber zu erwarten, dass in der Zukunft noch mehr Aluminium eingesetzt wird, denn die Konzepte und Lösungen im Bereich der Automobilproduktion ändern sich.

Unter Ihren Kunden auf dem deutschen Mark sind, wenn wir nur einige aufzählen, Porsche, Volkswagen und Mercedes. Liefert Talum an große Systemlieferanten der Autoindustrie oder auch direkt an die großen Autohersteller?

Wir sind TIER 1 und dadurch auch ein Systemlieferant für unsere Kunden.

Auch ein Geschäft mit dem Autogiganten BMW steht bevor. Talum soll Gussteile für BMW fertigen. Können Sie uns hierüber mehr sagen?

Wir können bestätigen, dass wir von BMW als Lieferant von anspruchsvollen Elementen für Motorräder ausgewählt wurden. Es geht um exponierte sichtbare Teile mit einer fehlerfreien Oberfläche, mehr können wir aber in diesem Moment über das Geschäft nicht sagen. Mit Gussteilen werden wir dieses Jahr ca. 37 Millionen Euro Umsatz erzielen, unser strategisches Ziel sind aber 50 Millionen EUR bis zum Jahr 2021.

Sie sind auch Entwicklungslieferant des österreichischen Unternehmens KTM, des größten europäischen Herstellers von Motorrädern. Welche Bedingungen müssen erfüllt werden, damit ein Aluminiumlieferant zu einem Entwicklungslieferanten wird und in welcher Phase sind Sie in der Produktentwicklung beteiligt?

Da Talum eine eigene Produktion von Aluminium und Aluminiumlegierungen hat, kennen wir die Materialien sowie die mechanischen Eigenschaften und Festigkeits- und Verformungscharakteristiken sehr gut, deshalb ist es für uns sehr wichtig, in das Projekt schon in der Ideenphase des Produktkonzepts einzutreten. So erfahren wir nicht nur, was der Kunde sucht und wünscht, sondern können auch mit unserem Wissen die Eigenschaften und die Qualität des Produktes verbessern oder die Kosten des Produktionsprozesses verringern. Mit Serienlieferungen an KTM haben wir 2010 angefangen. Heute liefern wir an KTM sieben Modelle von mechanisch bearbeiteten Gabeln sowie die vorderen und die hinteren Motornaben, in die nach der mechanischen Bearbeitung auch die Komponenten eingedrückt werden. Mit KTM arbeiten wir auch bei der Entwicklung zusammen, was sehr wichtig ist, denn unsere Produkte sind ein Teil des Sicherheitssystems des Motorrads und dementsprechend müssen die strengen Anforderungen des Kunden erfüllt werden.

Sie haben mit Ronden in Europa ungefähr ein Fünftel des Marktes erobert. Die Analysen zeigen, dass Lebensmittelhersteller sogar 11 Prozent der Einnahmen in die Verpackung investieren. Welche Chancen hat Talum global außerhalb von Europa mit Ronden?

Unserer Meinung nach sind diese Chancen groß, neben dem traditionellen europäischen Markt auch auf dem südamerikanischen, indischen und südafrikanischen Markt. In den letzten zehn Jahren haben wir die Produktion von Ronden um sogar hundert Prozent gesteigert und stellen jährlich schon 40.000 Tonnen her. Auch bei den Ronden liegt unsere Besonderheit darin, dass uns die Materialien bekannt sind, was ich aber betonen möchte, ist die Tatsache, dass wir alle Lösungen zusammen mit unseren Kunden suchen. Zu den größten Kunden gehören zum Beispiel Nestle, Unilever, Henkel, Bayer und Novartis sowie auch die Geschirrhersteller WMF, Fissler, Tefal, um nur einige zu erwähnen. Talum hat die Technologie für die Produktion des Bandes für die Ronden selbst entwickelt. Diese Technologie haben wir nach Argentinien verkauft und dadurch auch mittelbar die Tür auf den dortigen Markt geöffnet.

Deutschland ist schon lange Zeit die Nummer Eins im slowenischen Außenhandel. Auf die Initiative des deutschen Bundesverbands für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik BME nahmen slowenische Unternehmen im Sommer an dem Treffen mit größeren Lieferanten der Auto- und Maschinenbauindustrie teil. Welche Kontakte haben Sie in Deutschland geknüpft?

Wir haben vor allem die deutschen Gießereien getroffen, bei denen wir auch die größten Chancen für ein schnelles Wachstum des Aluminiumverbrauchs sehen. Jede solche Kontaktanknüpfung ist eine Chance für eine neue Partnerschaft.

Sie haben während des Gesprächs mehrmals die Bedeutung von Produkten mit einem höheren Mehrwert betont. Die Produkte mit einem Mehrwert verlangen Investitionen in das Wissen, die Entwicklung und die Vergrößerung der Produktionskapazitäten. In was investiert Talum?

Wir investieren nicht nur in die Infrastruktur und in die Technologie, sondern auch in die Entwicklung des Personals. Es gibt zahlreiche Herausforderungen, vor allem bei Ronden, die das größte Potential für ein globales Wachstum darstellen, das größte Umsatzwachstum erhoffen wir uns im Bereich der Gussteile und zwar aus fünf großen Projekten, mit denen wir nächstes Jahr starten werden. Seit 2015 haben wir viel in die Entwicklung investiert und dadurch auch die Kapazitäten für die Produktion von Teilen mit einem höheren Mehrwert vergrößert, wobei der Zeitraum der intensiven Investitionen jetzt zum Abschluss kommt.

Wie sind die Aussichten für das Geschäft in diesem Jahr?

In diesem Jahr planen wir die Produktion von 150.000 Tonnen Aluminium und am Ende des Jahres einen Umsatz von circa 360 Millionen Euro.

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