Wie finden slowenische Firmen mit ihrer Innovationsfähigkeit den Weg auf die globalen Märkte?

Wie finden slowenische Firmen mit ihrer Innovationsfähigkeit den Weg auf die globalen Märkte?
Wie finden slowenische Firmen mit ihrer Innovationsfähigkeit den Weg auf die globalen Märkte?
  04.03.2020  |  04:35
Čas branja: 10 min
Slowenische Exportchampions

Können sie erraten, von welchem slowenischen Computerunternehmen die Hightech-Plattform Tourismus 4.0 entwickelt wird, mit der das Unternehmen den Tourismusanbietern helfen möchte, ein für die Gäste maßgeschneidertes Angebot zu gestalten, und mit der das Unternehmen Hightech-Giganten wie Google, Booking und Tripadvisor, die heute die Touristenströme beherrschen, Konkurrenz macht? Und von welcher slowenischen Stahlfabrik werden Achsen gefertigt, die heute schon in jedem fünften in Europa gefertigten PKW eingebaut sind? Und welchem slowenischen Logistikunternehmen vertrauen zwei europäische Automobilindustrie-Giganten die Lieferung von PKW-Zulieferteilen an?

Das sind nur einige Produkte und Dienstleistungen, mit denen slowenische Unternehmen den Weg auf die globalen Märkte finden, und einige von ihnen werden wir nachfolgend vorstellen.

In jedem fünften europäischen Auto Stahl aus der Stahlfabrik Štore Steel

Bis 2025 sollen sogar 7,7 Prozent aller weltweit hergestellten Autos elektrische Autos sein. Darin sieht auch der slowenische Stahlhersteller Štore Steel seine Chance, der in den letzten Jahren vor allem in neue Kapazitäten für die Produktion von Blankstahl investiert. Dieser Blankstahl dient der Fertigung von anspruchsvollen Produkten für die Automobil- und andere Industrien, und zwar von Achsen, Zahnrädern, Zahnstangen, Federn und anderen Produkten. Seit diesem Jahr ist das Unternehmen um eine neue Produktionslinie für Blankstahl reicher, womit die Produktion von derartigem Stahl um 36 Prozent steigt bzw. die Jahreskapazitäten um 20.000 Tonnen vergrößert werden. Schon jetzt ist nach Schätzung des Unternehmens in jedem fünften in Europa hergestellten Fahrzeug eine Achse ein­gebaut, die in der Stahlfabrik in Štore gefertigt wurde. „Die Nachfrage nach Blankstahl wächst weltweit. Nach den Daten des Verbands der europäischen Automobilhersteller wurden 2018 in der europäischen Union 16,5 Millionen Fahrzeuge hergestellt, und wir haben voriges Jahr 3 Millionen Achsen gefertigt“, sagt man bei Štore Steel.

Mit der neuen Linie für Blankstahl wurden fünf Verfahren integriert; nachdem der Stahlstab geschält wird folgen Glättung und Polieren, danach werden die Ränder entgrätet und in der letzten Phase folgen dann noch die Kontrolle der Oberfläche und die Verpackung. Die neue Linie für die Abschälung des Stahls ist aber nicht die einzige Investition in der Stahlfabrik in Štore. Dieses Jahr wurde auch in die neue Kontrolllinie und in den neuen Glühofen investiert, womit man die Kapazitäten für die Produktion von kaltgefertigten geschmiedeten Stücken aus Stahl vergrößern möchte. „Geschmiedete Stücke können für die Automobilindustrie warm- oder kaltumgeformt werden. Wir haben uns entschieden, die Kapazitäten für kaltumgeformten Stahl zu vergrößern. Für diese Produkte wird gewöhnlich hochwertiger Blankstahl verwendet, der in einem speziellen Verfahren thermisch bearbeitet wird. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass das Material komplett in die Produkte umgeformt werden kann und dass es fast keine Abfälle gibt“, sagt Miran Prezelj, Verkaufsleiter. Das Unternehmen Štore Steel, das den gesamten Stahl an die Lieferanten der Automobilindustrie verkauft, plant bis 2020 55.000 Tonnen von Blankstahl herzustellen.

Arctur als Pionier von Hightech-Technologien im Dienst des Tourismus und der lokalen Gemeinschaft

Wie viel Tourismus ist genau optimal und was für Tourismus sollte das sein? Mit dieser Herausforderung beschäftigt sich das

Computerunternehmen Arctur, das zusammen mit drei slowenischen Universitäten, Technologiepartnern sowie anderen Akteuren die Hightech-Plattform Tourismus 4.0 entwickelt. Mit dieser Plattform möchte das Unternehmen den touristischen Anbietern helfen, ein für die Gäste maßgeschneidertes Angebot zu gestaltenund es dem Staat und den touristischen Destinationen zu ermöglichen, die Grenzen der touristischen Kapazitäten besser zu verstehen. „Der Kampf um die Touristen ist ein Kampf um Informationen. Die meisten Informationen über Touristenströme werden heute vor allem von den großen amerikanischen multinationalen Unternehmen beherrscht, die auch den größten Teil des Gewinns erzielen. Zu diesem Ziel möchten wir aber auf eine für den Gast freundliche Weise kommen, ohne in die Privatsphäre der Gäste einzudringen und ohne mit ihren persönlichen Daten zu handeln“ betont Tomi Ilijaš, der Geschäftsführer von Arctur, der die Plattform Tourismus 4.0 im letzten Jahr auf den Veranstaltungen rund um die Welt vorgestellt hat, im September auch an einer der Universitäten in Wien.

Heute sammeln Länder, Destinationen, Gemeinden und andere touristische Anbieter die Daten über die Touristenströme auf klassische Art und Weise, zum Beispiel mit Umfragen oder Verkehrszählung; bei Arctur hat man aber mit der Technologie der Datenverkettung, der Smart-Intelligenz und anderen fortgeschrittenen Technologien ein Modell entwickelt, mit dem die Daten über die Touristenströme aus verschiedenen Quellen an einer Stelle vereint werden können. „Verschiedene Quellen von Daten, wie Testverkehrszähler, bezahlte Kurtaxen und zahlreiche anderen Daten, sind momentan in verschiedenen Datenbanken zu finden, deshalb haben wir sie verbunden. Unter anderem analysieren wir, wo die Touristen anhalten, wo sie übernachten und dadurch lernen wir Ihre Bedürfnisse kennen. Da sich keiner Gedränge wünscht, werden die Touristen auf eine innovative Art auf die Destinationen hingewiesen, wo es keinen Andrang von Gästen gibt, und damit helfen wir den Gästen zu einem besseren Erlebnis. Unser Modell hilft den touristischen Anbietern strategische Entscheidungen aufgrund von realistischen Daten zu treffen. Wir müssen der Planung a la „Pi mal Daumen“ ein Ende machen. Tourismus ist eine Branche, die die gesamte Gesellschaft und die Qualität des Lebens der lokalen Gemeinschaft beeinflusst. Wir müssen endlich verantwortlich handeln“, sagt Dr. Urška Starc-Peceny, Leiterin der Abteilung für Tourismus 4.0 bei Arctur, die alle Gleichgesinnten einlädt, sich der Partnerschaft anzuschließen, die schon mehr als 100 Organisationen aus verschiedenen Teilen der Welt vereint.

Eti – neue Produkte für Elektroautos und Sonnenkraftwerke

Auch bei ETI Elektroelement, dem weltweit drittgrößten Hersteller von Sicherungen, sieht man die Zukunft in der E-Mobilität und regenerativen Energiequellen. Bei ETI wurde in den vergangenen Jahren viel in neue Produkte und Applikationen im Bereich der regenerativen Energien, wie Batteriesicherungen und Sicherungen für Photovoltaiksysteme, investiert. Das hat sich für das Unternehmen in der Vergangenheit mehrmals ausgezahlt, auch 2016, als es von der Slowenischen Wirtschaftskammer als eines der innovativsten slowenischen Unternehmen ausgezeichnet wurde und ihm für die Schmelzsicherungseinsätze der Nationalpreis für die beste Innovation verliehen wurde. Das Unternehmen erhielt in diesem Jahr auch einige zusätzliche größere Aufträge im Bereich der Sonnenkraftwerke, die in Europa wieder stark im Kommen sind, wobei es aber auch in Asien ein starkes Wachstum gibt.

ETI, das sich einer 70-jährigen Tradition rühmt, ist seit Jahren auch auf dem österreichischen Markt anwesend, und zwar mit der gesamten Produktpalette für den Schutz von elektrischen Installationen in Wohn- und Geschäftsgebäuden. Neben dem Standardprogramm wie klassische Sicherungen D, D0, NH, C, Leitungsschutzschalter, Fehlstromschutzschalter, Verteilerschränke bzw. Anlagen für Wohnungen, werden den österreichischen Kunden auch Nischenprodukte angeboten, wie die schon erwähnten Batteriesicherungen und Sicherungen für Photovoltaiksysteme. Die neuesten Trends in der Welt gehen in Richtung regenerativer Energiequellen, nachhaltiger Energie, Smart-Häusern sowie Digitalisierung, und auch Österreich unterscheidet sich in diesem Bereich nicht von anderen Ländern, betont Tomaž Berginc, Generaldirektor von ETI Elektroelement. „Wir freuen uns und sind zufrieden, dass auch unser Unternehmen zu dieser Entwicklung beitragen kann. Durch die Jahre haben wir es geschafft, in Österreich eine sehr gute partnerschaftliche Beziehung mit den Kunden aufzubauen, was auch zur langfristigen und guten Kooperation beiträgt, auf die wir auch in der Zukunft hoffen“, sagt unser Gesprächspartner. Wichtige Kunden von ETI auf dem österreichischen Markt sind auch Stromversorgungsunternehmen.

Gebrüder Weiss – Logistikunternehmen, das die Zulieferer mit den Werken von Volkswagen verbindet

Die PKW-Produktion basiert auf einer genau abgestimmten grenzüberschreitenden Lieferkette. Damit die Autos rechtzeitig das Fließband verlassen, muss die Lieferung der einzelnen Teile genau auf den Produktionsprozess abgestimmt sein, und die slowenische Filiale des österreichischen Logistik- Konzern Gebrüder Weiss (GW) ist hierfür ein Experte. Dieses slowenische Unternehmen beliefert schon seit einigen Jahren europäische Werke des weltweit größten Automobilherstellers Volkswagen mit den Komponenten.

Gebrüder Weiss kooperiert mit 36 Zulieferern von Volkswagen aus neun Ländern und transportiert jährlich 18.000 Sendungen in fünfundzwanzig Produktionswerke von Volkswagen, Audi und Škoda in Deutschland, Belgien, der Slowakei, Ungarn und Tschechien. Das Sammelzentrum für alle Sendungen befindet sich in der GW-Filiale in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, wo nach genau spezifizierten Verfahren und technischen Qualitätsstandards des VW-Konzerns für den Empfang, die Voranmeldung und den Versand gesorgt wird. Natürlich fehlt es bei diesem Geschäft nicht an Herausforderungen, vor allem weil die PKW-Hersteller in der Regel ohne Lager arbeiten wollen, was aber bedeutet, dass die Komponenten sozusagen direkt an das Fließband geliefert werden müssen. 2017 erhielt das Unternehmen das Zertifikat ISO 14001, was für Geschäfte in der Automobilindustrie unabdingbar ist.

Gebrüder Weiss ist in Slowenien mit seiner eigenen Filiale seit 1995 präsent. Heute beschäftigt dieses Unternehmen mit Sitz in Ljubljana 80 Mitarbeiter. Dieses Jahr wurden die Lagerkapazitäten vergrößert und zusätzliche 2.700 m2 Lagerräume geschaffen. So bietet das Unternehmen seinen Kunden insgesamt 9.200 m2 Logistikflächen an.

Jub - intelligente Fassadensysteme sind von entscheidender Bedeutung für das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden

Die Dämmung von Objekten ist eine der effizientesten Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und nachfolgend zur Reduktion der Treibhausgasemmissionen. Gerade deswegen werden bei JUB, dem ältesten slowenischen Hersteller von Wandfarben und Fassadensystemen, im Bereich des nachhaltigen Baus der größte Teil der Energie und der Mittel in die Entwicklung von modernen und innovativen wärmedämmenden Fassadensystemen JUBIZOL investiert. Viel Aufmerksamkeit wird der Entwicklung von funktionellen Fassadensystemen gewidmet, die einen wichtigen Teil von intelligenten Objekten der Zukunft darstellen werden.

Eine der Schlüsselbedingungen für das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden ist ein gesundes Mikroklima im Raum. „Als angenehme Wohnbedingungen gilt eine Temperatur zwischen 19 und 22 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent. Um solche Bedingungen gewährleisten zu können benötigt man ideal gedämmte Wandflächen, denn eine ungenügende und mangelhafte Wärmedämmung führt zu einem größeren Wärmeaustausch und beeinflusst somit wesentlich die Qualität der Wohnbedingungen. Wenn die Luft zu trocken ist entsteht eine große Menge von Staub, der unsere Atemorgane reizt, und bei einer dauerhaft hohen Luftfeuchtigkeit und Einflüssen aus der Umgebung kann es zur Bildung von Wandschimmel kommen. Letzterer gibt viele Sporen in die Umwelt ab, die von uns eingeatmet werden, was zu Krankheiten der Atemorgane führen kann“, betont man bei JUB.

Für den Komfort ist es sehr wichtig, wie viel das Wärmedämmungssystem zur Energieeffizienz Ihres Zuhauses beiträgt, was schon in der Planungsphase des Fassadensystems bedacht werden muss. Die Fassade stellt nämlich die größte Fläche des Hauses dar, betont das Unternehmen JUB. Bei Jub widmet man sich auch der Entwicklung von neuen Dämmungsmaterialien, die bei einer geringeren Stärke die gleichen Dämmungscharakteristiken haben, sowie den Systemlösungen mit längerer Lebensdauer. Nach den Berechnungen kann man mit einer gut gedämmten Fassade sogar 40 % elektrische Energie einsparen.

Napišite svoj komentar

Da boste lahko napisali komentar, se morate prijaviti.