Wie bahnen sich die slowenischen Unternehmen ihren Weg auf die globalen Märkte?

Wie bahnen sich die slowenischen Unternehmen ihren Weg auf die globalen Märkte?
Wie bahnen sich die slowenischen Unternehmen ihren Weg auf die globalen Märkte?
  24.03.2020  |  04:40
Čas branja: 9 min
Slowenische Export-Champions

Sie erraten sicher nicht, welcher slowenischer Aluminiumhersteller mit Ronden für die Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie ein Fünftel des europäischen Marktes eroberte? Und welcher Aluminiumverarbeiter Crash-Profile für renommierte Marken wie BMW, Daimler und Volkswagen entwickelte, die bei einer Kollision Verletzungen bei Fahrern vorbeugen?

Dies sind nur einige Produkte und Dienstleistungen, mit denen sich slowenische Unternehmen ihren Weg auf die globalen Märkte bahnen. Einige davon werden nachfolgend vorgestellt.

Talum – in Zusammenarbeit mit den Kunden zu CO2-neutralen Produkten

Aluminium ist das Metall mit dem höchsten prognostizierten Verbrauchswachstum in den nächsten zehn Jahren, und in Europa wird sich der Bedarf in den nächsten 40 Jahren voraussichtlich verdoppeln. Es handelt sich um ein Material, das praktisch unbegrenzt wiederverarbeitet werden kann ohne die Qualität zu beeinträchtigen. Aluminium wird auch als Speicher- bzw. Energiebank betrachtet, da die im ersten Schritt „investierte“ Energie unzählige Male genutzt werden kann.

Die größere Nachfrage nach Aluminium lohnt sich auch für Talum. Der slowenische Aluminiumhersteller und Hersteller von Aluminiumprodukten entwickelt sich zunehmend vom Primäraluminiumhersteller zum Hersteller von Aluminiumprodukten mit höherer Wertschöpfung. Dies gelingt ihm insbesondere mit Verpackungsronden für die Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie, womit man in Europa einen Marktanteil von 20 Prozent erreicht hat. Als erstes Unternehmen in Europa hat Talum Ronden auf den Markt gebracht, die einen Anteil von mehr als 25 % an recyceltem Aluminiumschrott haben. Mit der Entwicklung von legierten Ronden, die die Herstellung von Aerosoldosen mit dünneren Wänden und damit Materialeinsparungen ermöglichen, überzeugte man auch Giganten wie Unilever, L‘Oreal, Henkel, Procter & Gamble usw.

Talum tritt mit seinen Produkten auch erfolgreich auf den Markt der E-Mobilität ein. Im vergangenen Jahr entwickelte man für Samsung ein Batteriegehäuse für Hybrid- und Elektroautos und in der Gießerei wurden Gießereilegierungen für strukturelle Autoteile und -stangen mit spezifischen Eigenschaften hergestellt. Man hat auch eine neue Handelsmarke registriert, HEATRAPLATES (HEAT TRAnsfer PLATES), mit der man den Bekanntheitsgrad bei der Entwicklung und Produktion von Hochleistungs-Flachplattenwärmetauschern erhöhen möchte, die zur Kühlung von Fahrzeugbatterien in Elektrofahrzeugen sowie im Bauwesen und bei elektrisch angetriebenen Schiffen eingesetzt werden.

Immer mehr slowenische Unternehmen setzen sich für die CO2-Neutralität und eine Kreislaufwirtschaft ein, worauf man sich auch bei Talum konzentriert. Unter anderem ist man dabei, ein Verfahren zur Herstellung von Aluminiumlegierungen in einer Elektrolysezelle zu entwickeln, wo man mit kontinuierlich oder periodisch beigefügten Metalloxiden im Elektrolyseverfahren teilweise bereits eine Legierung zur Weiterverarbeitung produzieren und somit deren Produktionszeit verkürzen könnte. Großes Potenzial sieht man auch in neuen Hybridmaterialien für den Einsatz in der Automobilindustrie, die leichtere Fahrzeuge anstreben und damit zur Reduzierung von Kohlendioxidemissionen beitragen. Zu diesem Zweck entwickelt man Aluminiumlegierungen mit hinzugefügten Partikeln, die die mechanischen Eigenschaften erheblich verbessern. Im Bereich der Rondenherstellung werden neue Legierungen entwickelt, die die bestehenden verbessern und eine noch effizientere Produktion von Aerosoldosen ermöglichen.

Wie Impol mit „Crash-Profilen“ die Sicherheit in Fahrzeugen der Marken BMW, Daimler, Volkswagen und anderen erhöht

Impol, der zu den größten Herstellern von Aluminiumschmiedestangen für die Automobilindustrie in Europa zählt, setzt auch auf die Entwicklung neuer Produkte. In den letzten Jahren erhöhte Impol stets den Produktionsanteil für die Automobilindustrie. Der Konzern zählt jedoch die Entwicklung von sog. Crash-Profilen, die die Sicherheit des Fahrers und der Beifahrer bei Unfällen und Kollisionen verbessert, zu den größten Errungenschaften.

„Wie der Name schon andeutet, liegt der Hauptzweck des Crash-Profils in der Absorbierung der Energie bei der Kollision des Fahrzeuges. Deshalb befindet es sich am häufigsten zwischen der Karosserie und der Verbindungswand des Fahrzeuges, an der die Stoßstange montiert ist. In der letzten Zeit werden Crash-Profile jedoch zunehmend für andere Karosserieteile und Fahrzeugbaugruppen verwendet, beispielsweise für Batteriegehäuse in Elektrofahrzeugen“, sagt Dr. Matej Steinacher, Entwicklungsdirektor für Stanzprodukte bei Impol, der in den letzten Jahren zusammen mit Kollegen intensiv an der Entwicklung von Crash-Profilen gearbeitet hat.

Auf die Frage nach den Besonderheiten bei der Herstellung von Crash-Profilen antwortet Steinacher, dass der Hersteller den gesamten Herstellungsprozess von der Planung der chemischen Zusammensetzung über das Gießen, das Homogenisierungsglühen, die Extrusion bis hin zur Kühlung nach der Extrusion und der Wärmebehandlung beherrschen muss. Dies ist auch deswegen wichtig, weil Crash-Profile ein Höchstmaß an Sicherheit erfordern. „Crash-Profile sind täglich unterschiedlichen Umgebungen ausgesetzt, daher müssen sie während der gesamten „Lebensdauer“ des Fahrzeuges stabile Eigenschaften aufweisen“, so unser Gesprächspartner. Crash-Profile werden außerdem strengen Qualitätsprüfungen unterzogen, die bei Impol und vielen anderen Institutionen im In- und Ausland durchgeführt werden. „Erforderlich sind mechanische Tests, thermische Langzeitstabilitätstests, Biegetests, verschiedene Crashtests, Korrosionstests, Verbindungstests, Oberflächeneignungstests usw.“, zählt unser Gesprächspartner auf.

Dr. Matej Steinacher erklärt zum Schluss, dass sich die Investition in die Entwicklung von Crash-Profilen für Impol bereits gelohnt hat, da man sich damit neue mehrjährige Projekte mit führenden europäischen Fahrzeugherstellern wie BMW, Daimler und Volkswagen gesichert hat.

TKK möchte den deutschen Markt auch mit eigenen Handelsmarken erobern

Für das Unternehmen TKK, den größten slowenischen Hersteller von Dichtungsmassen, Polyurethanschaum, Klebstoffen und Betonzusätzen, das sich in Srpenica in der Nähe der slowenisch-italienischen Grenze befindet, ist Deutschland mit Abstand der wichtigste Exportmarkt. Das Unternehmen mit mehr als 70-jähriger Tradition hat mehr als 500 Produkte im Angebot für Verbraucher und professionelle Anwender. Dieses Jahr werden noch einige weitere hinzugefügt. In die Geschäfte kommt eine neue Produktlinie des Garden-Programms, die Produkte zur Gestaltung von Grünflächen, Gärten und Parks umfasst und in großen Zentren mit technischer Ware wie Bauhaus, OBI und anderen Geschäften erhältlich sein wird. Eine weitere Neuheit in diesem Jahr wird Tekstil Colour sein, eine professionelle farbige, dekorative Dichtungsmasse zum Abdichten aller Materialien, insbesondere für feuchte Bereiche. In den vergangenen Jahren wurden Klebestoffe für Verbraucher und professionelle Anwender unter der Handelsmarke Fi-X-Expert zum effektiven Kleben verschiedener Materialien mit hohen Anfangsfestigkeiten, auch auf transparenten Oberflächen, sowie eine Linie wasserdichter Beschichtungen zur Verhinderung des Eindringens von Feuchtigkeit in Objekte unter der Handelsmarke Hydroblocker auf den Markt gebracht.

„Mit unserem eigenen Vertriebsnetz sind wir seit 30 Jahren auf dem deutschen Markt anwesend. Derzeit erwirtschaften wir fast 15 Prozent des Umsatzes auf dem deutschen Markt und wir möchten unsere Präsenz auf dem größten europäischen Markt durch den Verkauf unserer eigenen Handelsmarken weiter stärken“, betont TKK-Direktor Uroš Lozar. TKK exportiert mehr als 90 Prozent seiner Produktion, wobei man auch eine große Diversifizierung der Märkte anstrebt, die dem Unternehmen Beständigkeit und Stabilität gewährleistet. Gegenwärtig hat man in 68 Exportmärkten mehr als 1000 Kunden, wobei der höchste Anteil an Einzelkäufern fünf Prozent nicht überschreitet.

Bei TKK wird in den letzten Jahren beschleunigt investiert. Derzeit ist man inmitten einer Investition in hochmoderne Mischanlagen für Dichtungsmassen und eine Verpackungslinie, für die man zusammen rund 5 Millionen Euro ausgeben wird. Mit neuen Produktionslinien wird die Produktionskapazität von Dichtungsmassen, mit denen fast die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet wird, verdreifacht. Insgesamt möchte man in diesem Investitionszyklus fast 15 Millionen Euro in die Modernisierung und Erweiterung der Produktion investieren. „Alle Investitionen werden mit Eigenkapital durchgeführt. Die Ratingagentur Bisnode, die die größte Partnergesellschaft des Bonitätshauses Dun & Bradstreet ist, hat uns für das Jahr 2019 die exzellente Bonität AAA verliehen, die nur Unternehmen erhalten, die drei Jahre hintereinander die höchsten Ratingkriterien erfüllen“, betont Lozar.

Bei MBS List, dem größten slowenischen Sägewerk, investiert man beschleunigt und modernisiert die Produktion

MBS List, das südöstlichste Sägewerk zur Verarbeitung von Nadelbäumen in Europa, hat derzeit eine jährliche Sägekapazität von 180.000 Kubikmetern und 1,5 Millionen Quadratmeter Platten. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 57 Prozent, die Menge des verarbeiteten Holzes um 38 Prozent und die Produktion von Schalungsplatten um 46 Prozent. Dies ist hauptsächlich auf die Modernisierung des Sägewerks und die Nähe zu drei Häfen zurückzuführen: Koper, Triest und Rijeka. Die Umgebung des slowenischen Sägewerks ist außerdem reich an Tannen mit größeren Stammdurchmessern und hier gibt es auch Fichten.

„Seit dem Kauf des Sägewerks im Jahr 2017 haben wir 10 Millionen Euro in die Automatisierung investiert. Eine der jüngsten Anschaffungen ist beispielsweise ein Roboter, der den Stamm vor dem Sägen scannt, um das Sägen wirtschaftlicher zu gestalten. Wir haben auch unser Produktangebot erweitert und sind in neun neue Märkte eingetreten, so dass wir in 55 Länder exportieren“, erzählt Walter Leonhard Mosser von der MID Group, dem Mehrheitseigner der Gesellschaft MBS Handels, der die Gesellschaft MBS List gehört. Dieser besitzt auch ein Sägewerk in Guttaring in Kärnten, Österreich. Nach Slowenien zu expandieren entschloss er sich, nachdem seine Nachbarn eine Einschränkung der Sägewerkproduktion in Österreich erwirkt hatten.

Mit der neuen Hobellinie hat man in Slowenien die Produktpalette auf profilierte oder viereckige Hobelprodukte, Hobellatten und Spezialprodukte für den ostafrikanischen Markt erweitert. Großhändler auf dem deutschen Markt werden mit hochwertigen dreischichtigen Holzplatten aus Fichten- und Tannenholz aus slowenischen Wäldern beliefert, die hauptsächlich zur Verschalung von Betonkonstruktionen und aufgrund ihrer außergewöhnlichen Funktionalität auch für andere Zwecke verwendet werden können. Mit Rohstoffen zur Herstellung von massivem Konstruktionsholz für den deutschen Markt wird auch das eigene Sägewerk in Österreich beliefert.

Und warum beschäftigt er sich mit dem Sägegewerbe? „Ein wenig wegen der Familientradition, weil meine Oma ein kleines Sägewerk und einen Wald besaß, vor allem jedoch, weil wir darin eine Chance sehen, Mehrwert zu schaffen“, sagt Mosser. Die MBS List plant 2021 eine neue Sägewerkslinie in Betrieb zu setzen, womit die Kapazität weiter ausgebaut wird. Im September wird eine neue Linie für Holzzuschnitt mit Scanner, eine Kappsäge sowie Maschinen zum Hobeln und Längsverbinden in Betrieb gesetzt. Damit wird man das Angebot an Verbundholz ohne Astlöcher erweitern, das aus dickeren Stämmen hergestellt wird, da solches Holz in dieser Region am häufigsten zu finden ist.

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